Wer mit ausländischen Dokumenten zu einer deutschen Behörde geht, hört früher oder später denselben Satz: Bitte reichen Sie eine beglaubigte Übersetzung ein. Viele Menschen wissen zunächst nicht, was damit gemeint ist, wer sie anfertigen darf und worin der Unterschied zu einer normalen Übersetzung liegt.
Eine beglaubigte Übersetzung ist keine besonders schöne Übersetzung, sondern eine rechtlich abgesicherte. Sie bestätigt, dass der Inhalt vollständig und richtig wiedergegeben wurde.
Was eine beglaubigte Übersetzung ausmacht
In Deutschland dürfen nur Übersetzerinnen und Übersetzer beglaubigen, die von einem Landgericht oder Oberlandesgericht dazu ermächtigt, beeidigt oder öffentlich bestellt wurden. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Bezeichnungen, im Alltag spricht man oft vom vereidigten Übersetzer.
Die Übersetzung enthält einen Beglaubigungsvermerk, eine Unterschrift und in der Regel einen Stempel. Damit übernimmt der Übersetzer die Verantwortung für die Richtigkeit. Wer prüfen möchte, ob eine Person tatsächlich ermächtigt ist, findet sie in der bundesweiten Datenbank auf justiz-dolmetscher.de.
Wann Behörden sie verlangen
Eine beglaubigte Übersetzung wird immer dann gefordert, wenn ein fremdsprachiges Dokument rechtliche Wirkung entfalten soll. Typische Beispiele sind:
- Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden für das Standesamt
- Zeugnisse und Diplome für die Anerkennung von Berufsabschlüssen
- Führerscheine für die Umschreibung
- Scheidungsurteile, Verträge und Vollmachten für Gerichte und Notare
- Einkommensnachweise und Meldebescheinigungen für Visa und Aufenthaltstitel
Auch Universitäten, Krankenkassen, Rentenversicherungen und Banken können eine beglaubigte Fassung verlangen. Im Zweifel sollte man vorab bei der jeweiligen Stelle nachfragen, welche Form akzeptiert wird.
Unterschied zur einfachen Übersetzung
Eine einfache Übersetzung kann von jedem angefertigt werden, der beide Sprachen beherrscht. Für interne Zwecke, zum Lesen oder für die private Korrespondenz reicht sie völlig aus. Behörden können sie aber nicht als verlässlich einstufen, weil niemand für ihre Richtigkeit haftet.
Eine professionelle beglaubigte Übersetzung schließt diese Lücke. Sie gibt nicht nur den Text wieder, sondern beschreibt auch Stempel, Siegel, Unterschriften und handschriftliche Vermerke. Nichts wird weggelassen, nichts wird hinzugefügt.
Vollständigkeit ist bei beglaubigten Übersetzungen wichtiger als stilistische Eleganz.
Sensible Dokumente im Trauerfall
Nicht alle Anlässe sind erfreulich. Stirbt ein Angehöriger im Ausland oder besitzt ein Verstorbener Vermögen in einem anderen Land, müssen Erben häufig Urkunden vorlegen. Nachlassgerichte, Banken und Versicherungen verlangen dann oft, die ausländische Sterbeurkunde übersetzen zu lassen, und zwar in beglaubigter Form.
Gerade in dieser belastenden Situation hilft ein Übersetzungsdienst, der schnell und einfühlsam arbeitet und die Anforderungen der Gerichte kennt. Oft kommen weitere Unterlagen hinzu, etwa Testamente, Erbscheine oder Kontoauszüge.
Sprachen mit eigener Schrift
Besondere Sorgfalt ist bei Sprachen gefragt, die nicht das lateinische Alphabet verwenden. Griechisch, Russisch, Ukrainisch, Arabisch oder Chinesisch müssen transliteriert werden. Dabei gibt es verschiedene Normen, und eine uneinheitliche Schreibweise von Namen kann zu Rückfragen oder sogar zur Ablehnung führen.
Deutschland hat eine große griechische Gemeinschaft, und entsprechend häufig werden griechische Urkunden benötigt. Ein erfahrener Griechisch Übersetzer achtet darauf, dass Namen nach der passenden Norm übertragen und mit dem Reisepass abgeglichen werden.
Apostille und Legalisation
Häufig wird die beglaubigte Übersetzung mit der Apostille verwechselt. Die Apostille bestätigt die Echtheit der Originalurkunde, nicht die Übersetzung. Sie wird von einer Behörde im Ausstellungsland angebracht. Für manche Staaten ist statt der Apostille eine Legalisation durch die Botschaft nötig.
Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst wird das Original mit Apostille versehen, dann wird beides übersetzt. So erscheint auch die Apostille in der Übersetzung, und die Behörde erhält ein vollständiges Paket.
Anerkennung von Berufsabschlüssen
Ein großer Teil der beglaubigten Übersetzungen entfällt auf Menschen, die ihren ausländischen Abschluss in Deutschland anerkennen lassen möchten. Pflegekräfte, Ärztinnen, Ingenieure und Lehrkräfte reichen Zeugnisse, Fächerlisten und Arbeitsnachweise ein. Das Portal Anerkennung in Deutschland erklärt, welche Unterlagen für welchen Beruf benötigt werden.
Wer mehrere Dokumente braucht, sollte sie gemeinsam in Auftrag geben. So bleiben Namen, Daten und Fachbegriffe in allen Übersetzungen einheitlich.
Was kostet eine beglaubigte Übersetzung
Die Kosten hängen von der Sprache, der Länge, dem Fachgebiet und der Lieferzeit ab. Standardurkunden wie Geburtsurkunden werden oft zu einem Pauschalpreis angeboten, längere Texte nach Zeilen oder Wörtern berechnet. Seltene Sprachen und Eilaufträge sind teurer.
Ein Tipp aus der Praxis: Lassen Sie sich gleich mehrere beglaubigte Exemplare ausstellen, wenn Sie das Dokument bei verschiedenen Stellen einreichen müssen. Das spart Zeit und oft auch Geld.
Digitale Wege
Immer mehr Übersetzungsbüros bieten den gesamten Prozess online an. Man sendet einen Scan, erhält ein Angebot und bekommt die beglaubigte Übersetzung per Post. Einige Behörden akzeptieren inzwischen auch elektronisch signierte Übersetzungen, doch das ist noch nicht überall der Fall. Die Papierform mit Stempel bleibt vorerst der Standard.
Wichtig bleibt auch hier: Das Original sollte man nie aus der Hand geben, wenn es nicht ausdrücklich verlangt wird. Für die meisten Übersetzungen genügt eine gute Kopie oder ein Scan.
Checkliste
- Vorab klären, ob eine beglaubigte Übersetzung wirklich nötig ist.
- Prüfen, ob zusätzlich eine Apostille verlangt wird.
- Gut lesbare Scans aller Seiten einreichen, inklusive Rückseiten.
- Gewünschte Schreibweise der Namen gemäß Reisepass angeben.
- Genügend Zeit einplanen, besonders bei seltenen Sprachen.
Fazit
Beglaubigte Übersetzungen sind ein kleines, aber entscheidendes Element in vielen Lebenslagen, von der Hochzeit über den Jobwechsel bis zum Erbfall. Wer die Regeln kennt und mit qualifizierten Fachleuten arbeitet, vermeidet Verzögerungen und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren.
